Terpene: Wissen über Duftstoffe der Hanfpflanze

Nerolidol: blumig-holziger Duft und Vorkommen

Jona Decker von Jona Decker3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Nerolidol ist ein Sesquiterpenalkohol mit der Summenformel C15H26O.
  • Der Duft ist zart blumig und holzig und erinnert an Rose und Apfel.
  • Es gibt eine cis- und eine trans-Form, die in Analysen teils getrennt ausgewiesen werden.
  • Der Siedepunkt liegt bei etwa 275 bis 277 °C.
  • In Cannabis wurde Nerolidol in kleinen Mengen nachgewiesen.
Grüne Kardamomkapseln in einer Keramikschale und Rosenblätter neben einer getrockneten Hanfblüte

Auf einen Blick

Du bist in einem Terpenprofil oder auf einer Zutatenliste auf Nerolidol gestoßen und willst wissen, was das ist. Der Beitrag erklärt den Stoff chemisch, beschreibt Duft, Formen und Vorkommen, nennt den Siedepunkt und ordnet ein, welche Rolle Nerolidol in Hanf spielt.

Nerolidol ist ein Sesquiterpenalkohol, ein natürlicher Duftstoff mit zartem, blumig-holzigem Geruch, der an Rose und Apfel erinnert. Er kommt in den ätherischen Ölen vieler Pflanzen vor, wird als Duft- und Aromastoff genutzt und ist in kleinen Mengen auch in Hanf nachgewiesen.

Dieser Glossar-Beitrag erklärt, was Nerolidol chemisch ist, welche Formen es gibt, wo es vorkommt und wie du die Angabe in einem Terpenprofil einordnest. Das Zusammenspiel aller Aromastoffe der Hanfpflanze beschreibt der Ratgeber Terpene in Cannabis. Sorten mit ausgewiesenem Terpenprofil findest du bei unseren CBD Blüten, jede mit Herkunft, Anbautyp und Laborzertifikat zur Charge.

Nerolidol im Steckbrief: Chemie, Duft und Siedepunkt

Chemisch ist Nerolidol ein offenkettiges Sesquiterpenoid mit der Summenformel C15H26O. Es trägt eine Alkoholgruppe und ist damit, wie Linalool, streng genommen kein reines Terpen, sondern ein Terpenoid. Ein weiterer Name ist Peruviol. Die Stoffdatenbank PubChem nennt einen Siedepunkt von 275 bis 277 °C. Damit siedet Nerolidol deutlich höher als Monoterpene und verdunstet entsprechend langsam. Zum Vergleich: Linalool, ein kleinerer Alkohol aus derselben Stofffamilie, siedet laut PubChem bei 198 °C. Sesquiterpene sieden nach einer Übersichtsarbeit von 2016 allgemein zwischen etwa 250 und 280 °C.

Stoffklasse Sesquiterpenalkohol (Sesquiterpenoid, offenkettig)
Summenformel C15H26O
Duft zart blumig und holzig, erinnert an Rose und Apfel
Vorkommen in der Natur ätherische Öle vieler Pflanzen, etwa Kardamom, Bittermelone und Pfeffergewächse; in kleinen Mengen Hanf
Siedepunkt etwa 275 bis 277 °C (Quelle: PubChem, JECFA)

Cis- und trans-Form: was die Vorsilben bedeuten

Nerolidol kommt in zwei geometrischen Formen vor, cis und trans. Sie unterscheiden sich in der räumlichen Anordnung an einer Doppelbindung. Dazu gibt es von jeder Form zwei spiegelbildliche Varianten, insgesamt also vier Isomere. In Laboranalysen taucht der Stoff deshalb manchmal als Nerolidol und manchmal als trans-Nerolidol auf. Gemeint ist derselbe Duftstoff in unterschiedlich genauer Angabe.

Wo kommt der Duftstoff vor, und wofür wird er genutzt?

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 beschreibt Nerolidol als Bestandteil der ätherischen Öle zahlreicher Pflanzen, darunter Kardamom und Bittermelone. Am häufigsten wird es aus Blättern gewonnen. Den höchsten dort genannten Anteil im Blattöl hat das Pfeffergewächs Piper claussenianum. Der Gehalt schwankt mit Jahreszeit, Standort, Klima und Alter der Blätter.

Genutzt wird Nerolidol vor allem als Duftstoff, etwa in Shampoo, Parfüm und Reinigungsmitteln, außerdem als Aromastoff in Lebensmitteln. Den weltweiten Verbrauch beziffert die Übersichtsarbeit auf 10 bis 100 Tonnen pro Jahr.

Welche Rolle spielt es in Hanf?

Hanf bildet seine Duftstoffe in den Drüsenhaaren der Blüten. Nerolidol gehört dort zu den Nebenkomponenten: Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 führt Nerolidol und trans-Nerolidol in ihrer Liste der in Cannabis nachgewiesenen Terpene, mit kleinen Mengen je Gramm getrockneter Blüte. Vom Aufbau her steht es Farnesen nahe, beide haben ein offenes Gerüst aus 15 Kohlenstoffatomen.

In den Terpenprofilen des CBDÍA-Sortiments wird Nerolidol derzeit nicht genannt (Stand Oktober 2026). Das ist bei einem Nebenterpen nicht ungewöhnlich, denn die Profile führen die Duftstoffe auf, die eine Sorte prägen. Wenn dir Nerolidol in einer Laboranalyse begegnet, helfen drei Punkte:

  • Es steht meist weit hinten, hinter Myrcen, Limonen oder Beta-Caryophyllen.
  • Nerolidol und trans-Nerolidol meinen denselben Stoff in unterschiedlich genauer Angabe.
  • Der Wert gilt für eine Charge. Anbau, Trocknung und Lagerung verändern den Gehalt.

Was die Forschung untersucht

Die Übersichtsarbeit von 2016 trägt die Forschung zu Nerolidol zusammen, darunter Arbeiten aus Labor- und Tiermodellen. Zur Frage, ob Terpene und Cannabinoide zusammenspielen, hält die Arbeit von 2022 fest, dass Studien diese Idee teils stützen und teils widerlegen. Aus dem Nachweis von Nerolidol in einer Blüte folgt deshalb keine Aussage über eine Wirkung. Das Terpenprofil beschreibt das Aroma einer Sorte, nicht ihren Nutzen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Terpene werden hier als Aroma- und Pflanzenstoffe beschrieben, nicht als Wirkstoffe. Stand: Oktober 2026.


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Häufige Fragen zu Nerolidol

Nerolidol hat einen zarten, blumigen Duft mit holziger Note. Fachquellen beschreiben ihn als schwach und an Rose und Apfel erinnernd. In einer Blüte verbindet er sich mit den übrigen Duftstoffen.

Beide Formen haben dieselbe Summenformel C15H26O. Der Unterschied liegt in der räumlichen Anordnung an einer Doppelbindung des Moleküls. Laboranalysen können die Formen trennen und weisen dann zwei Werte aus, etwa Nerolidol und trans-Nerolidol.

Chemisch ja. Nerolidol trägt eine Hydroxygruppe und gehört damit zu den Alkoholen, genauer zu den Sesquiterpenalkoholen. Mit Trinkalkohol hat das nichts zu tun, die Bezeichnung beschreibt nur den Aufbau des Moleküls.

Nerolidol wird als Duftstoff in Kosmetik wie Shampoo und Parfüm und in Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzt. In den USA ist es außerdem als Aromastoff für Lebensmittel zugelassen. Der weltweite Verbrauch liegt laut einer Übersichtsarbeit bei 10 bis 100 Tonnen pro Jahr.

Quellen

Diese Quellen stützen die Sachaussagen im Beitrag.

  1. Nerolidol (CID 5284507), Abschnitte Boiling Point, Physical Description und Record Description, PubChem, National Library of Medicine (NIH) (2026)Stützt die Summenformel C15H26O, die Einordnung als Sesquiterpenoid mit Farnesan-Gerüst und Hydroxygruppe, den Siedepunkt von 275 bis 277 °C (JECFA), den blumig-holzigen Duft und die Verwendung als Duft- und Aromastoff.
  2. Nerolidol: A Sesquiterpene Alcohol with Multi-Faceted Pharmacological and Biological Activities (Molecules 21(5):529, DOI 10.3390/molecules21050529), Chan, Tan, Chan, Lee, Goh; Molecules (2016)Stützt den Zweitnamen Peruviol, die vier isomeren Formen (cis und trans, je zwei Spiegelbildformen), den an Rose und Apfel erinnernden Duft, den Siedepunkt von 276 °C, den Siedebereich der Sesquiterpene von etwa 250 bis 280 °C, das Vorkommen in den ätherischen Ölen von Kardamom, Bittermelone, Piper claussenianum und Baccharis dracunculifolia, die jahreszeitliche Schwankung, die Verwendung in Kosmetik, Reinigungsmitteln und Lebensmitteln, den Jahresverbrauch von 10 bis 100 Tonnen und die Zusammenstellung von Arbeiten aus Labor- und Tiermodellen.
  3. Secondary Terpenes in Cannabis sativa L.: Synthesis and Synergy (Biomedicines 10(12):3142, DOI 10.3390/biomedicines10123142), Chacon, Raup-Konsavage, Vrana, Kellogg; Biomedicines (2022)Stützt, dass Nerolidol und trans-Nerolidol in Cannabis in kleinen Mengen nachgewiesen sind und dass Studien ein Zusammenspiel von Terpenen und Cannabinoiden teils stützen und teils widerlegen.
  4. Terpene synthases from Cannabis sativa (PLoS One 12(3):e0173911, DOI 10.1371/journal.pone.0173911), Booth, Page, Bohlmann; PLoS One (2017)Stützt, dass Hanf seine Terpene in den Drüsenhaaren der Blüten bildet und Farnesen zu den häufigsten Sesquiterpenen der Nutzhanf-Sorte Finola gehört.
Über den Autor

Jona Decker

Jona Decker ist Autor und Redakteur mit den Schwerpunkten CBD, Cannabinoide und Cannabis-Recht. Er studierte Betriebswirtschaftslehre mit der Spezialisierung empirische Wirtschaftsforschung und beschäftigt sich seit 2020 publizistisch mit Cannabidiol. Seit Oktober 2020 schreibt er für das Magazin CBD360, dessen Redaktionsleitung er heute mitverantwortet. Für CBDÍA ordnet er Produkte sachlich ein, auf Grundlage von Laborzertifikat je Charge und dokumentierter Herkunft.